Spielfilm: Comedy

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Genau genommen ist eine Komödie ein Schauspiel, bei welchem etwas Lustiges passiert. Inzwischen hat das englische Wort ‚Comedy‘ im deutschen Sprachgebrauch die Oberhand gewonnen. Man bezeichnet damit aber nicht nur ein lustiges Theaterstück. Auch Alleinunterhalter wie Bülent Ceylan, Markus Krebs, Dieter Nuhr, Sascha Grammel oder Mario Barth stehen auf der Bühne und bringen die Zuschauer zum Lachen. Oder denkt nur an die vielen ‚Pleiten, Pech und Pannen‘-Sendungen, in denen unschuldigen Menschen oder Tieren etwas richtig Doofes passiert. Alles, was Lustig ist, findet unter dem Begriff ‚Comedy‘ statt.

Was ist eigentlich Humor?

Jemanden in einem Film zum lachen zu bringen ist nicht einfach. Bei einem Krimi oder Gruselfilm kannst du spannende Szenen bereits mit den richtigen Kameraperspektiven und Objektiveinstellungen erreichen. Das funktioniert bei der Komödie nicht. Da ist es völlig egal, ob du den Hauptdarsteller aus der Normalsicht oder aus der Froschperspektive aufnimmst. Wenn er dummes Zeug erzählt, ist es entweder lustig oder auch nicht. Einen Mittelweg gibt es meistens nicht.

Was ist nun aber lustig und wann wird die Grenze zur Peinlichkeit überschritten? Klare Antwort: Das kommt ganz auf deinen Zuschauer an! Die einen finden beißenden politischen Humor witzig, die anderen stehen eher auf Kneipenwitze. Ein Dritter lacht voller Schadenfreude, wenn einem anderen etwas Ungeschicktes passiert. Nimm als Beispiel die oben erwähnten Comedy-Promis. Es gibt selten einen Zuschauer, der alle Kommödianten gleichzeitig gut findet. Manche teilen deinen Humor und lachen darüber, andere finden’s einfach nur doof. Darum ist es bei einem Comedy-Film am Besten, du drehst ihn mit Freunden, die über dieselben Dinge lachen können wie du.

Die Sub-Genres der Komödie

Mit ‚Sub-Genre‘ bezeichnet man die weitere Unterteilung innerhalb eines Genres. Wenn der Oberbegriff ‚Film‘ lautet, dann sind die unterschiedlichen Genres z.B. Krimi, Komödie, Dokumentation, Reise- oder Abenteuerfilm. Die ‚Sub-Genres‘ der Komödie sind

  • Krimödie (=Krimi-Komödie): Zu Beginn deiner Comedy-Film-Karriere ist vermutlich eine Krimödie am einfachsten umzusetzen. Hier kannst du Detektive, Polizeibeamte, Gangster oder Zeugen völlig anders darstellen, als sie im wirklichen Leben sind.
  • Actionkomödie: In der Action-Kommödie geht es rasant zu. Wilde Verfolgungen, karatebegeisterte Helden, verschiedene Perspektiven und kurzgeschnittene Szenen sind wichtig. Immer wieder werden die Schauspieler ausgebremst: Parksäulen und Blumenkübel sind nur zwei Beispiele, die während einer Verfolgungsjagd unerwartet zur Stolperfalle werden können.
  • Grusel- und Horrorkomödie: Du steigerst die Spannung mit Großaufnahmen, Froschperspektiven und Untersichten bis ins Unermessliche (Infos siehe -> Filmperspektiven). Am Ende passiert etwas Urkomisches, mit dem der Zuschauer nicht rechnet. Das Opfer dreht sich kurz vor seiner Ermordnung langsam nach hinten um und entpuppt sich als bekannter Schlagersänger. Der unheimliche Kapuzenmörder schreit auf, wirft sein Messer weg und flüchtet.
  • Romantik- oder Liebeskomödie: Hier fragst du dich, was in einer (beginnenden) Beziehung alles passieren kann. Lernen sich beim Speeddating zwei völlig unterschiedliche Personen kennen? Was passiert beim ersten gemeinsamen Date im Restaurant? Was haben sich Partner nach 50 Ehejahren noch zu sagen? Während eine Gruselkomödie mit wenig Text und spannenden Einstellungen auskommt, sind bei der Liebeskommödie komische Dialoge wichtig.
  • Slapstick: Die Urväter des Slapsticks sind Charlie Chaplin, Harold Lloyd oder das Duo Laurel & Hardy (im Deutschen bekannt als Dick und Doof). Schnelle, abgehackte Bewegungen sind ebenso wichtig wie Zeitraffer und komische Comic-Geräusche. Bekommt der Schauspieler eine Bratpfanne auf den Kopf gehauen, dann muss das in der Nachbearbeitung mit einem ‚Klong‘ untermalt werden. Das Ziehen am Ohr des Filmpartners wird von einem Quieken begleitet. Texte werden auf das Nötigste reduziert und sind eher zweitrangig.
  • Fantasy-Komödie: Hier wird Unwirkliches wie z.B. Magie, Träume und übernatürliche Kräfte humorvoll dargestellt. Das können ebenso sprechende Kochtöpfe als auch eine Götterfunktion sein, welche der Hauptdarsteller plötzlich bekommt (z.B. im Kinofilm ‚Bruce Allmächtig‘). In der Fantasykomödie können als Hauptdarsteller auch Wahrsagerinnen und Hexer auftreten.
  • Tragikkomödie (Dramedy): Traurige Themen wie Arbeitslosigkeit, Krieg, Tod, Rassismus und Ausgrenzung werden mit humoristischen und satirischen Einlagen dargestellt. Mit einem Augenzwinkern wird auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht. Der Zuschauer soll zum Nachdenken animiert werden. Bekannt dafür sind einige amerikanische Sitcoms.
  • Parodie: Bekannte Persönlichkeiten (z.B. James Bond, Terminator, Rambo), Filmgenres (Western, Agentenfilme) und Geschichten (Hänsel und Gretel) werden auf lustige Art und Weise veräppelt. Zur Parodie gibt es auch einen gesonderten Artikel mit Beispielen.

Worüber lachen die Menschen?

Wie du gerade gelernt hast, hat jeder Mensch einen anderen Humor. Aber dennoch gibt es einige Situationen, die bei vielen Zuschauern Lacher auslösen.

  • Überraschungsmomente: Es passiert das, womit der Zuschauer auf gar keinen Fall rechnet. Es muss das Gegenteil von dem eintreten, was im ’normalen Leben‘ am wahrscheinlichsten ist.
  • Gegensatz im Charakter: Ein Schauspieler verkörpert eine Person oder Berufsgruppe, von welcher man im normalen Leben eine völlig andere Vorstellung hat (z.B. Gangster, Lehrer, Bürgermeister). Bei einem Polizisten geht man normalerweise davon aus, dass er hilfsbereit, schlau, vielleicht aber auch authoritär ist. In deiner Krimödie stellst du ihn als schusselig, vergesslich oder unkonzentriert dar.
  • Übertreibungen: Du stellst die Person zwar wie im richtigen Leben dar, aber ihr Charakter ist völlig überzogen. Der strenge Polizist brüllt immer nur rum, und der Quizmoderator von ‚Wer wird Millionär‘ ist besserwisserisch, herablassend und arrogant.
  • Gegensatz zwischen Personen: Ein Schauspieler-Duo weist extreme Unterschiede auf: der eine ist korpulent, der andere spindeldürr. Der eine ist riesengroß, der andere sehr klein. Der eine spricht schwäbisch, der andere sächsisch. Die beiden Hauptdarsteller passen eigentlich nicht zusammen.
  • Schadenfreude: Der Gangster schaut sich auf der Flucht um und rennt gegen eine Parkuhr. Der Zuschauer lacht und denkt sich: „Geschieht dir Recht.“ Was soviel heißt wie „Zum Glück ist mir das nicht passiert.“
  • Altmodisches einbauen: Zeige in deinem Film Dinge, die gar nicht in die heutige Zeit passen. Das können altmodische Vornamen sein, aber auch Requisiten wie eine Schreibmaschine oder ein Wählscheibentelefon anstelle von PC-Tastatur und Handy. So dürfen in einer Märchen-Parodie technische Geräte aus dem 21.Jahrhundert auftauchen, während der Dorfpolizist in deiner Krimödie noch gemütlich auf einer Schreibmaschine tippt. Schau mal auf Omas Dachboden oder auf dem Flohmarkt nach.

In meinem Buch ‚Der Weg zum eigenen Comedy-Film‘ bekommst du weitere Anregungen und Beispiele, worüber wir lachen können.

Wie erfindest du einen Gag?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Witziges zu Papier zu bringen. Viele Comedians beschäftigen inzwischen sogar ihre eigenen Gag-Schreiber. Vielleicht bist du ja ein Typ, dem die lustigen Einfälle nur so zufliegen. Vielleicht aber auch nicht, und du musst lange nachdenken, um einen richtig guten Witz zu erfinden. Wichtig ist, dass deine Gags nicht ins Lächerliche oder ins Peinliche abdriften. Wenn du zu stark übertreibst, finden die Zuschauer das affig. Witze über Randgruppen oder Minderheiten kommen selten gut an. Wie kommst du nun aber zu guten Ideen?

  • Alltagssituationen: Stell dich einfach mal an die Straße und beobachte die Menschen. Wie verhalten sie sich? Was tun sie in ihrem täglichen Alltagstrott? Passiert ihnen etwas Außergewöhnliches? Sind sie hektisch oder verträumt? Und schon fallen dir witzige Dinge ein, die den Passanten im nächsten Moment passieren könnten.
  • Quatsch-Begriffe: Schreibe zu einer Filmszene 3 Wörter auf, die eigentlich gar nichts mit der Situation zu tun haben. Deine Szene: Ein Mädchen geht telefonierend über einen Schulhof. Was passiert? Deine Quatsch-Begriffe, die du notiert hast, sind: Radio, Döner, Filmklappe. So könnte dem Mädchen ein Rastaman mit lautstarkem Ghettoblaster auf den Schultern entgegenkommen, so dass sie ihr eigenes Wort nicht mehr versteht. Vielleicht ist es in der Romantikkomödie der Klassenkamerad, der ihr den Döner-Zwiebelgeruch ins Gesicht haucht? Oder ein Filmteam von ‚Germanys Next Topmodel‘ steht plötzlich vor ihr und macht ein Probe-Shooting.
  • Frage- und Antwortspiel: Stelle dir zu einer Szene eine Frage und gib darauf möglichst dämliche Antworten. Deine Szene: Drei Gangster mit Sturmhauben sitzen auf einer Bank im Wald. Die Frage: Was machen sie da? Deine Antworten könnten lauten: Sie warten auf ein Taxi. Sie telefonieren mit ihrer Mutter. Sie versuchen, mit Tannennadeln den geklauten Geldkoffer aufzubekommen.

Du wirst sehen! Es macht richtig viel Spaß, Gags zu erfinden. Die Schauspieler müssen das zeigen oder sagen, was in dieser Situation nicht von ihnen erwartet wird.