Drehbuch & Drehplan

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Sobald ihr mit mehreren Schauspielern an unterschiedlichen Drehorten filmt, werdet ihr um das Schreiben eines Drehbuchs nicht herumkommen. Es ist sozusagen die Bedienungsanleitung für alle Beteiligten, vom Schauspieler bis zum Kameramann. Das Drehbuch ist somit ausführlicher geschrieben als ein Storyboard. Man findet darin die Texte der Darsteller sowie eine genaue Beschreibung der Geschehnisse. Wichtig ist, dass es übersichtlich gestaltet ist, so dass während dem Filmdreh möglichst wenige Fragen geklärt werden müssen. Das Drehbuch ist gleichzeitig die Grundlage für euren Drehplan, welcher nach Drehorten und Drehterminen geordnet ist.

Merkmale eines Drehbuchs

  • Die 5 Ws: Im Drehbuch wird beschrieben, Wer Wann Was an Welchem Ort erlebt. Das fünfte W ist das Warum (stimmiger Szenenaufbau, alle Handlungen müssen einen Sinn ergeben)
  • Ein Drehbuch wird in die einzelnen Szenen unterteilt
  • Im Drehbuch stehen die Texte der Schauspieler
  • Im Drehbuch stehen Informationen zum Handlungsablauf, zur Mimik und zur Gestik
  • eventuell notiert ihr euch bereits Infos zur Musik oder den Geräuschen, die in der Nachbearbeitung eingefügt werden sollen.

Merkmale des Drehplans

Der Drehplan gibt an, welche Szenen ihr mit welchen Einstellungen und mit welchem Equipment ihr an einem bestimmten Tag dreht. Somit vergesst ihr nichts Wichtiges.

  • Angabe des Aufnahmedatums
  • Angabe der jeweiligen Szenennummer
  • Drehort und Position (z.B. Wohnzimmer, Ecktisch)
  • Filmteam: Wer übernimmt welche Aufgaben (Kamera, Beleuchtung, Ton, Requisite)
  • Namen der Schauspieler
  • Ausrüstung, Requisiten, Verkleidung
  • Transportmöglichkeiten zum Drehort, Catering
  • Notfall-Option, falls Filmdreh z.B. bei Schlechtwetter nicht möglich ist

Drehbuch in Fließtextform

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Drehbuch zu schreiben: Als Fließtext oder in tabellarischer Form. Welche davon euch eher zusagt, müsst ihr ausprobieren.

Beim Fließtext wählt ihr zu jeder Szene eine Überschrift. Aus dieser Überschrift geht der Drehort (innen – außen) sowie die Tageszeit (tagsüber – abends – nachts) hervor. Beispiel:

Polizeirevier – Innen – Tag

Darunter folgen eine kurze Szenenbeschreibung und die Texte:

Polizeiwachtmeister Meier schaut auf den PC-Monitor, als plötzlich das Telefon klingelt. Neben ihm steht sein Kollege Müller.

Meier: (telefoniert) „Ja, gut, wir fahren gleich los.“ (legt auf)

Müller: (schaut fragend auf den Kollegen hinab) „Wer war denn das?“

Meier: (steht auf) „Das war der Bankdirektor. Er wurde heute morgen in seiner Filiale überfallen.“

Müller: „Schon wieder ein Bankraub? Das ist schon der dritte diese Woche.“ (beide verlassen eilig das Büro)

Drehbuch in tabellarischer Form

Die tabellarische Form halte ich persönlich für die bessere. Ihr legt euch eine Tabelle mit mehreren Spalten an. Nun könnt ihr überlegen, welche Informationen für euren Filmdreh wichtig sind. Die breiteste Spalte sollte die mit den Sprechertexten sein. Die anderen dürft ihr für Regieanweisungen (z.B. „Meier hustet“) oder Handlungsabläufe (z.B. „beide Polizisten verlassen eilig den Raum“) verwenden. Kameraeinstellungen oder die voraussichtliche Szenenlänge stehen normalerweise in einem Storyboard. Falls ihr auf dieses verzichtet habt, könnt ihr diese Informationen auch im Drehbuch unterbringen. Wichtig ist, dass ihr nicht zuviele Infos aufnehmt, sonst wird das Ganze unübersichtlich. So ähnlich könnte euer Drehbuch aussehen:

Ihr seht, in dieser Vorlage wurden Drehbuch und Drehplan ein wenig gemischt. Das hat den Vorteil, dass man später nicht mit -zig Blättern am Drehort auftaucht. Ein eigenständiger Drehplan könnte so aussehen:

Muss man streng nach Drehbuch arbeiten?

So wichtig ein Drehbuch für einen geregelten Ablauf am Film-Set auch ist: Ein wenig Handlungsspielraum solltet ihr euch lassen. Bei einer Kinoproduktion ist das nicht möglich, aber bei eurer privaten Produktion sehr wohl. Vielleicht hat während der Aufnahmen einer der Schauspieler eine spontane witzige Idee. Und wenn es zur weiteren Handlung passt, warum sollte man nicht etwas flexibel sein? Ist doch blöd, wenn man dann sagt „Dieser Satz steht so nicht im Drehbuch“. Allerdings müsst ihr aufpassen: Es gibt auch Schauspieler/innen, die ein fertiges Drehbuch umgestalten und zu ihrem eigenen machen möchten. In diesem Fall verzichtet ihr lieber auf Diskussionen und Änderungen.

Weitere Tipps zum Drehbuch und zum Ablauf

  • Vermeidet bei unerfahrenen Schauspielern lange Textstellen. Kurze Sätze kann man sich besser merken.
  • Setzt beim Schreiben das ‚Kopfkino‚ ein. Wie wird die Szene im Film ausehen? Welche Kameraperspektive eignet sich? Wie filmt ihr ein Gespräch zwischen zwei Personen?
  • Macht eine Aufstellung, welche Requisiten und Verkleidungen ihr an welchem Drehort benötigt. Ich erwähne diese Dinge an der jeweiligen Stelle im Drehbuch und markiere sie fett oder farbig. Dann sehe ich auf den ersten Blick, was wo zum Einsatz kommt.
  • Verkünstelt euch nicht an einzelnen Szenen. Es bringt nichts, im Drehbuch zu viele Details zu erwähnen. Es muss auch nicht dieselbe Aufnahme aus drei unterschielichen Blickwinkeln gefilmt werden, nur damit der Cutter sich die schönste aussuchen kann.
  • Wenn eine Szene misslungen ist (z.B. weil sich die Schauspieler versprochen haben), muss man sie ein zweites mal drehen. Vielleicht auch ein drittes oder viertes Mal. Aber falls eine Szene überhaupt nicht klappen will, gestaltet den Text um oder überlegt euch etwas anderes. Denn sonst seid ihr nur gefrustet, wenn es nicht funktioniert. Und die Zeit spielt auch eine Rolle, denn es gibt ja noch mehr zu filmen.
  • Jeder sollte die Rolle übernehmen, die ihm Spaß macht. Falls ein Filmteam-Mitglied unbedingt eine technische Aufgabe übernehmen möchte, wird es als Schauspieler nicht glücklich werden.