Der Filmschnitt

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Alle Szenen sind im Kasten? Dann kannst du mit der Filmbearbeitung beginnen. Zunächst einmal sollten die Aufnahmen auf der Festplatte sortiert und eventuell umbenannt werden. Dann hast du beim Schneiden die bessere Übersicht. Der Filmschnitt erfolgt in zwei Schritten: Dem Rohschnitt und dem Feinschnitt.

Ordnen der Szenen

Als erstes musst du die Szenen von der Speicherkarte auf den Computer übertragen. ‚Ist doch logisch!‘, denkst du jetzt. Nein, ist es nicht. Viele machen am Anfang den Fehler und stecken ihre Speicherkarte in das Lesegerät vom PC. Dann importieren sie von dort die Filmsequenzen in das Schnittprogramm. Ein solches Schnittprogramm benötigt aber immer einen Dateipfad. Das heißt, wenn du die Speicherkarte für die nächsten Aufnahmen entfernst, geht dieser verloren. Du erhältst eine Fehlermeldung. Das ist bei jedem Programm so, egal ob beim kostenlosen Windows Movie Maker oder bei einer gekauften Software.

Speichere die Szenen immer zuerst auf der Festplatte ab, auf welcher sich das Bearbeitungsprogramm befindet. Ich empfehle, die Szenen in Ornder zu sortieren. Beim Reisevideo könnten die Ordner ‚Tag 1‘, ‚Tag 2‘ usw. heißen. Noch besser ist es, du benennst sie mit dem Datum, und zwar in der Version Jahr_Monat_Tag. Statt 20.05.2019 (das wäre der 20.Mai 2019) schreibst du 2019_05_20. Der Vorteil ist, dass dann alle Ordner in der zeitlich richtigen Reihenfolge aufgelistet sind.

Datei wird beim Öffnen des Projektes vermisst
Dateien werden nicht erkannt, da sie sich auf einem nicht angeschlossenen Speichermedium befinden

Szenenablage und Storyboard

In jedem Schnittprogramm gibt es eine Szenenablage und ein Storyboard. In der Szenenablage befinden sich alle Aufnahmen von der Festplatte, die zu deinem Filmprojekt gehören. Dort lassen sich die Aufnahmen kürzen. Bei umfangreichen Projekten empfehle ich, nicht gleich alle 500 Szenen zu importieren. Lieber Schritt für Schritt bearbeiten, damit du den Überblick behältst.

Im Storyboard werden die Szenen in der richtigen Reihenfolge aneinander gehängt. Hier entsteht der fertige Film. Im Storyboard wirst du später Musik, Effekte oder Titel hinzufügen.

Rohschnitt und Feinschnitt

Unter Roh- oder auch Grobschnitt versteht man, dass du verwackelte und unscharfe Szenen aussortierst und entfernst. Auch Versprecher kannst du rausschmeißen, sofern du sie nicht für die Outtakes am Ende benötigst. Doppelt gefilmte Szenen kannst du ja zunächst einmal behalten und dich später für die beste entscheiden.

Die übrig gebliebenen Szenen schaffen es in den Feinschnitt. Diesen nimmst du in der Szenenablage vor. Dazu klickst du den gewünschten Clip in der Szenenablage an. Er erscheint in einem so genannten Schnittfenster. Statt einem kleinen Vorschaubild hast du nun eine vergrößtere Darstellung der Aufnahme. Im Schnittfenster nimmst du nun den Schnitt vor, indem du Anfang und Ende über einen Schieberegler kürzt. Anschließend fügst du den Clip in das Storyboard ein. Alle Regiekommentare wie „….uuuuuund Action“ müssen verschwunden sein. Bei den meisten Programmen kannst du im Storyboard weitere Änderungen vornehmen.

Länge der Originalaufnahme: 18 Sekunden
Länge der bearbeiteten Szene: 5 Sekunden

Zum Storyboard gehört das Projektfenster. Meist befindet es sich genau neben dem Schnittfenster. So hast du einen direkten Vergleich von der Originalszene zur Filmszene.

Projektbearbeitung in Adobe CS6

Falls du dir vor dem Filmen passende Szenenübergänge ausgeachtet hast, wirst du beim Feinschnitt deine Freude haben. Es wirkt einfach klasse, wenn du anstelle einer Effektblende eine ‚richtige‘ Anschlussszene präsentierst.

eine gut überlegte Anschlussszene ist der perfekte Übergang

Länge der Filmszenen

Es gibt wirklich kein Pauschalrezept, wie lange eine Filmszene sein darf. Das kommt wirklich darauf an, …

  • wie lange der Zuschauer zum ‚Erfassen der Situation‘ benötigt
  • wie lange die Texte der Sprecher oder das dazugehöriende Musikstück ist
  • ob die Szene für dich einen persönlichen Erinnerungswert darstellt
  • ob Untertitel und Schriften im Bild eingeblendet werden
  • ob du Action oder Ruhe in die Aufnahme bringen möchtest
  • ob die Szene an einem Off-Text ausgerichtet ist
  • wie lange ein Moderator benötigt, um etwas zu demonstrieren

Denk daran: Aus einer langen Aufnahme kannst du oft auch mehrere kleine machen. Statt dem ermüdenden Landschaftsschwenk nimmst du eine Mischung aus Totalen und Nahaufnahmen. Die Erklärung des Moderators kann mit Insertschnitten unterbrochen werden, die zum Thema gehören. Wie bei einer Nachrichtensendung im Fernsehen. Aber dafür musst du bereits bei den Dreharbeiten denken und genügend Schnittmaterial filmen. Versuche, dich beim Filmschnitt in den Zuschauer hinein zu denken. Wie lange würdest du diese Szene anschauen wollen, wenn du selbst nicht dabei gewesen wärst? Wenn du dir unsicher bist, dann frage andere Menschen, die nicht am Projekt beteiligt waren. Oder besprich dich mit deinem Filmteam.