Reise- und Urlaubsfilme

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Ein Urlaubsfilm ist etwas ganz Persönliches. Du zeigst anderen Menschen, was du während der schönsten Zeit des Jahres erlebt hast. Du nimmst den Zuschauer mit ans Meer, in die Berge, oder in ein entferntes exotisches Land. Ich habe auf meinen vielen Rucksackreisen immer folgendermaßen gedacht: ‚Filme so viel wie möglich, aber zeige im Filmschnitt so viel wie nötig.“

Reise-, Urlaubs- oder Familienfilm

Du gehst auf Reisen und möchtest – da du ja ein Hobbyfilmer bist – die Kamera mitnehmen. Wenn du nach deiner Rückkehr einen schönen Erinnerungsfilm erstellen willst, den du auch anderen Leuten zeigen möchtest, solltest du während der Reise regelmäßig filmen. Du brauchst für deinen späteren Filmschnitt Material. Damit meine ich jetzt nicht, dass du niemals die Kamera aus der Hand legen solltest. Das würde in Stress ausarten und du würdest dich selbst unter Druck setzen. Den gesamten Urlaub nur durch die Kameralinse zu sehen ist nicht sinnvoll. Und für deine Mitreisenden mehr als nervig. Allerdings bringt es auch nicht viel, wenn du jeden Tag nur drei Aufnahmen machst. Dann fehlen die Zusammenhänge. Du machst einen Tagesausflug mit dem Auto? Dann filmst du nicht nur die Erlebnisse am Zielort; da gehört auch das Packen des Autos und ein paar Fahrtszenen dazu.

  • Reisefilm: Du reist von einem Ort zum anderen, jeden Tag erlebst du etwas neues. Dabei spielt es keine Rolle, ob du Mitglied einer geführten Reisegruppe bist, oder ob du als Einzelreisender ein Land mit deinem Rucksack kennenlernst. Wenn du den geschnittenen Film vertonst und besprichst, hast du als Ergebnis einen wunderbaren Reisefilm.
  • Urlaubsfilm: Hier steht die Erholung im Vordergrund. Du verbringst den Tag mit Freunden am Meer, machst schöne Strandspaziergänge, oder auch eine Bergwanderung. Vielleicht ist auch mal eine Stadtbesichtigung drin? Deine Erlebnisse beschränken sich auf ein bestimmtes Gebiet, z.B. den Bodensee oder die Ostküste von Mallorca. Diese Art des Filmens wählt man gerne, wenn man den Urlaubsort aufgrund vorheriger Besuche bereits gut kennt. Die Neugier ist nicht mehr so groß. Anders als beim Reisefilm wird sich der Kommentar bei der Bearbeitung auf das Nötigste beschränken.
  • Familienfilm: Der Familienfilm ist ähnlich wie der Urlaubsfilm. Allerdings wird man in den meisten Szenen die Familienmitglieder sehen. Die Kinder beim Sandburgen bauen, die Erwachsenen beim Beachvolleyball, oder alle gemeinsam auf der Berghütte beim Kuhmilchtrinken. Der Familienfilm wird später nur im Familienkreis gezeigt, denn für Fremde ist er meist weniger spannend.

VorausplanungenMache dir vor Reiseantritt ein paar Gedanken, wie du deinen Film gestalten möchtest und was dir wichtig ist. Beim Reisefilm würde ich mir die Sehenswürdigkeiten notieren, die auf keinen Fall fehlen dürfen. Beim Urlaubs- oder Familienfilm könntest du dir sogar eine kleine Geschichte überlegen. Gestaltest du den Film in Form eines Tagebuchs? Vielleicht spielst du den Reporter, der die Mitreisenden an verschiedenen Schauplätzen interviewt? Möglicherweise schaltest du schonmal das Kopfkino ein und machst dir Gedanken, wie Anfang und Schluss aussehen könnten. Ich hatte bei meinen Fernreisen immer den Titel-Vorspann mit der passenden Musik im Kopf. Während der Reise habe ich die dazu passenden Szenen gefilmt.

Aber denke dir kein komplettes Drehbuch aus. Das funktioniert nicht! Schlechtes Wetter kann dazu führen, dass die Reiseroute geändert werden muss. Beim einen oder anderen Schauplatz könnte es ein Filmverbot geben. Während der Rundreise ist zu wenig Zeit für einen ausgedehnten Fotostop. Darum: Ein paar Gedanken machen kann nicht schaden, aber bleib flexibel. Wenn eine Sehenswürdigkeit im Film fehlt, dann filmst du stattdessen etwas anderes.

Der Filmschnitt

Vielen Hobbyfilmern fällt es nicht leicht, die gefilmten Erlebnisse zu einem kurzweiligen Film zusammen zu schneiden. Was soll in dem Reisebericht gezeigt werden und was nicht? Welche Szenen landen in der Tonne, welche schaffen es in den Film? Wie lang soll der Film überhaupt werden? An dieser Stelle musst du wirklich hart zu dir selbst sein. Du wirst dich von schönen Aufnahmen verabschieden müssen.

Ein Reisefilm sollte meiner Meinung nach nicht länger als 60 Minuten sein, je nachdem was du erlebt hast. Bei einer Weltreise machst du lieber mehrere Filme als einen ganz langen. Ich habe einst den Fehler gemacht, meine Neuseeland-Reise auf satte 80 Minuten zu schneiden. So schön und abwechslungsreich der Film auch war: dem Publikum wurde es nach 60 Minuten zuviel. Und auch ich habe ihn später nur noch selten in kompletter Länge angeschaut.

Und ein Urlaubsfilm? Der sollte kürzer sein, da sich die täglichenErlebnisse meist wiederholen. Als Anhaltswert kannst du 20 – 25 Minuten nehmen. Beim Familienfilm geht es um die persönlichen Erinnerungen. Der kann deshalb auch länger sein.

Die Szenenlänge beträgt im Schnitt 5 – 7 Sekunden. Damit kann das menschliche Auge alles Wichtige erfassen. Es kommt aber auf das Motiv an. Manchmal braucht man etwas länger, um sich zu orientieren. Das ist beim Filmen von Hinweisschildern (z.B. Wandertafeln) oder bei Szenen mit viel Bewegung (der orientalische Markt) der Fall. Bei anderen Motiven reicht eine kurze Aufnahmezeit, z.B. bei Blumen. Die Länge deiner Filmaufnahmen sollten trotzdem immer 6 – 10 Sekunden lang sein, denn das Kürzen nimmst du erst beim Filmschnitt vor.

Abwechslung im Film

Schön ist es, wenn der Film abwechslungsreich gestaltet ist. Dann wirkt er auf deine Zuschauer kurzweilig, und auch du wirst ihn später öfter anschauen. ‚Abwechslungsreich‘ heißt:

  • wechselnde Bildausschnitte und Perspektiven einsetzen. Zeige Groß- und Nahaufnahmen und filme nicht alles mit der Weitwinkeloptik.
  • beim Reisefilm gleichermaßen Natur, Städte, Menschen, Tiere oder Kulinarisches zeigen
  • beim Urlaubs- und Familienfilm Erlebnisse (z.B. Wanderungen) mit Erholsamem (z.B. Kartenspiel am Strand) mischen
  • unterschiedlich lange Szenen: ein Landschaftsschwenk kann sich mit kurz geschnittenen Pflanzenaufnahmen abwechseln
  • bei der Nachvertonung auf die passende Musik achten: mal flott, mal ruhig, mal gar keine Musik
  • beim Off-Text auf die sprachliche Betonung achten: mal fröhlich, mal spannend, mal neutral. Aber auf keinen Fall gelangweilt und einschläfernd.

Die beste Aufnahmezeit

  • Früh aufstehen lohnt sich, vor allem bei Naturaufnahmen. Ein schönes weiches Licht hast du morgens nach Sonnenaufgang. Außerdem sind dann noch nicht so viele Touristen unterwegs, die dasselbe Motiv wie du filmen wollen
  • Auch das warme Abendlicht während dem Sonnenuntergang lohnt sich, ebenso wie die anschließende ‚Blue Hour‘ (Dämmerung)
  • Vermeide es möglichst, während der Mittagszeit zu filmen. Dann steht im Sommer die Sonne besonders hoch, der Licht-Schatten-Kontrast ist enorm. Selbst hochwertige Kameras bekommen damit ihre Probleme.

Szenenmontage

Bei einer Szenenmontage filmst du dieselbe Szenerie mit drei unterschiedlichen Bildausschnitten. Du führst den Zuschauer an das Motiv langsam heran. Ein Beispiel: Du filmst einen Wochenmarkt auf Mallorca. Die erste Szene zeigt in einer Totalen Einstellung das Gewusel der Menschen. Bei der zweiten Szene konzentrierst du dich mit einer Halbtotalen oder Nahaufnahme auf einen bestimmten Marktstand, z.B. den mit den bunten Porzellantassen. In der dritten Aufnahme folgt eine Nah- oder Großaufnahme. Das könnte die freundliche Verkäuferin sein, welche deinem Mitreisenden die gekaufte Ware übergibt. Oder: 1. Großer Platz mit Sehenswürdigkeit, 2. Reisegruppe steht beisammen, 3.Großaufnahme Reiseleiter.