Einstellgrößen

Posted on

Dein Film-Motiv kannst du mit unterschiedlichen Bildausschnitten aufnehmen. Die Film-Profis sprechen von ‚Einstellungen‘ oder ‚Einstellgrößen‘. So ist eine gefilmte Person entweder von Kopf bis Fuß sichtbar, oder du zeigst nur ihr Gesicht. Dazwischen gibt es zahlreiche weitere Einstellgrößen. Während der Hobbyfilmer bei der Wahl des Bildausschnittes während der Aufnahme eher auf sein Gefühl achtet, erfüllt bei den Profis jede Einstellung einen ganz bestimmten Zweck. Diese Einstellungen sind vorher genau durchdacht und im Storyboard festgelegt. Will der Kameramann die Person in ihrer Umgebung zeigen, oder sind Gefühle wichtiger? Man unterscheidet drei Bereiche:

1. Die Totalen Einstellungen

Die ‚Totalen Einstellungen‘ werden verwendet, wenn du sowohl deinen Schauspieler als auch den Handlungsort zeigen möchtest. Der Zuschauer erkennt, ob sich diese Person auf einer Bergwanderung, auf einem Schulgelände, am Bahnsteig oder in einem Innenraum befindet.

Die Supertotale

Die Supertotale zeigt die komplette Landschaft, in welcher sich der Film abspielt. Dies kann zum Beispiel der Blick auf eine Stadt sein. Man verwendet diese Einstellung gerne am Filmanfang oder bei der Einführung eines neuen Drehortes. Die handelnden Personen sind zunächst einmal unwichtig.

Die Totale

Nach der Supertotalen weiß der Zuschauer, in welcher Stadt oder in welcher Landschaft der Film spielt. Mit einer ‚Totalen‘ führst du ihn nun näher an das Geschehen heran. In dieser Stadt muss es ja irgendeine Straße oder ein Gebäude geben, in welcher die Handlung stattfindet. Wähernd bei der Supertotalen Personen noch nicht erkennbar waren, betreten sie in der Totalen den Schauplatz. Man sieht aber noch nicht so genau, was sie vorhaben.

Die Halbtotale

In der Halbtotalen ist der Akteur von Kopf bis Fuß zu sehen. Der Kopf stößt am oberen Bildrand an, die Füße unten. Der Schauplatz ist zwar immer noch zu sehen, aber jetzt konzentriert sich die Handlung auf die Person. Was hat sie vor? Wohin bewegt sie sich?

Diese schrittweise Heranführung an das Motiv funktioniert übrigens bei jeder Filmgattung, egal ob Spielfilm, Urlaubsfilm, Dokumentation oder Präsentation. Sobald der Handlungsort als wichtig eingestuft wird, sollte man dem Zuschauer die nötigen Informationen dazu liefern.

2. Die Naheinstellungen

Bei den Naheinstellungen wird der Hintergrund immer unwichtiger. Der Zuschauer weiß nun ja, wo die Szene spielt und benötigt dazu keine weiteren Informationen. Stattdessen rückt die Handlung des Schauspielers in den Vordergrund.

Die Amerikanische

Bei der Amerikanischen Einstellgröße wird der Darsteller ab den Knien aufwärts gezeigt. Dieser Bildausschnitt stammt noch aus der Zeit der Cowboyfilme, welche zum Großteil aus Amerika stammen. Die Banditen und Sheriffs trugen am Gürtel ein Pistolenhalfter. Dieses endete oberhalb der Knie und musste im Film sichtbar sein. Heute muss es nicht unbedingt ein Pistolenhalfter sein. Auch eine Umhängetasche endet überhalb der Knie.

Die Halbnahe

Die Halbnahe zeigt den Schauspieler ab der Gürtellinie aufwärts. Sie wird gerne bei Portraitaufnahmen oder bei Dialogszenen verwendet. Zum Beispiel, wenn sich ein Reporter mit seinem Interviewpartner unterhält, stehend oder sitzend. Du kannst auch ab der Gürtellinie abwärts filmen, dann sieht man nur die Schuhe und die Hose. Womit wir wieder beim Western wären: Cowboyduelle wurden gerne in dieser Einstellung von hinten gefilmt, um die Spannung zu erhöhen. Der Cowboy hatte die Hand an der Pistole, vom Gürtel bis zu den Schuhen war alles erkennbar.

Die Nahe

Du gehst mit der Kamera ein Stück näher ran und nimmst deinen Schauspieler ab den T-Shirt-Ärmeln aufwärts auf. Ebenso wie die Halbnahe wird sie gerne bei Dialogen eingesetzt. Nun sind die Mimik und die Gestik der Sprecher besser erkennbar. Runzelt einer die Stirn oder rümpft die Nase? Verdreht der andere die Augen? Auch das Namensschild, das der Reporter oder der Reiseleiter an seinem Oberteil trägt, ist besser lesbar.

3. Die Großeinstellungen

Bei den Großaufnahmen möchte man vor allem die Mimik zum Ausdruck bringen. Details, die zuvor nicht erkennbar waren, werden nun aus nächster Nähe gefilmt. Nicht jedem Schauspieler ist es recht, wenn der Kameramann so nah herankommt. Im Bild sieht man nun jede Hautunreinheit und jede Falte.

Die Großaufnahme

Bei der Großaufnahme wird nur noch der Kopf und eventuell ein Teil vom Kragen gezeigt. Mit dieser Aufnahme bringst du Spannung in die Szene. Fließen Tränen? Schaut der Schauspieler böse? Bekommt er vor lauter Entsetzen große Augen? Es muss nicht immer das Gesicht sein: Hat der Schauspieler eine Verletzung am Bein? Schreibt er eine Whatsapp über sein Handy? Schaut er auf die Armbanduhr? Oder willst du auf das Tattoo am Oberarm aufmerksam machen? Teile des Motives (z.B. der Kopf) dürfen auch angeschnitten sein

Auch bei einem Natur- oder Reisefilm solltest du immer mal wieder Großaufnahmen zeigen: Blütenkelche in der Blumenwiese, Ausschnitte eines Denkmals oder eines historischen Gebäudes, das Schnüren der Wanderstiefel und die Großaufnahme des verschwitzten Reiseleiters wirken interessanter, als wenn du alles nur in den Totalen Einstellungen filmst.

Das Detail

Bei einem Detail zeigst einen Ausschnitt der Großaufnahme, also zum Beispiel die Augen, den Mund, oder eine Narbe im Gesicht. Es können auch die getippten Worte auf einem Computerbildschirm sein, oder der Countdown einer Digitalanzeige. Beim Naturfilm ist es die Ameise im Blumenkelch. Bei einem Erklärvideo könnte es eine Schraube sein, welche an der vorgesehenen Stelle mit dem Akkuschrauber befestigt wird. Möglicherweise musst du den Makrobereich einschalten, da sonst die Scharfstellung nicht mehr funktioniert.