Erklär- und Lernvideos

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In einem Erklärvideo bringst du anderen Menschen Dinge bei. Dabei solltest du dich verständlich und in einfachen Worten ausdrücken, so dass der Zuschauer versteht, von was du sprichst. Es gibt viele Themen, zu denen man im Internet nach einer Hilfe in Form eines Erklärfilmes sucht: Basteln, Reparaturen, Schule, Sport, Hobbies, Berufswahl, Gesellschaftsspiele oder Videogames. Auf YouTube findest du garantiert zu jedem Thema eine Hilfestellung. Je besser du dich mit dieser Sache auskennst und je mehr Spaß du daran hast, umso eher wird man dir zuhören.

Die Länge des Erklärfilms

Je schneller einem in Form eines gut gemachten Lernvideos geholfen wird, desto besser. Optimal ist es, wenn der Erklärfilm so kurz wie möglich, gleichzeitig aber so lange wie nötig ist. Das heißt im Klartext: Nicht schwafeln und den Zuschauer mit langen Erklärungen langweilen, sondern mit verständlichen Worten auf den Punkt kommen. Und das ist nicht einfach! Denn der Erzähler kennt sich bei dem Thema aus und möchte den anderen das auch zeigen.

Wie lange sollte ein Erklärfilm nun aber sein? Das kommt darauf an! Bei dem einen oder anderen Thema ist eine ausführliche Erklärung sicherlich nötig. Gerade dann musst du darauf achten, dass du nicht mit überflüssigen Sätzen um den heißen Brei herum redest. Eine komplexe Bauanleitung wäre zum Beispiel solch ein Thema. Andere Dinge kannst du in relativ kurzer Zeit erklären. Sicherlich benötigst du keine zehn Minuten, um anderen zu zeigen, wie sie ein Rad schlagen oder einen Papierflieger basteln. Da sollten zwei Minuten ausreichen.

Frei Sprechen oder lieber nach Vorlage?

Auf YouTube findest du Anleitungen, bei welchen der eine Erklärer 15 Minuten und der andere zum selben Thema 4 Minuten benötigt. Der Unterschied liegt oft darin, dass Erkärer Nr. 1 frei spricht, d.h. er hat keine Vorlage. Er kennt sich mit dem Thema gut aus und quatscht einfach drauflos. Die Sätze kommen ohne zu stocken über seine Lippen, und das kann je nach Typ auch ganz witzig und unterhaltsam sein. Der Vorteil daran ist, dass ein freies Sprechen ungezwungener wirkt. Der Nachteil ist, dass man sich oft in Wiederholungen verirrt, zu viele Lückenfüller wie ‚Äähs‘ und ‚Ööhs‘ einbaut, oder dass man einfach ins Schwafeln verfällt, was eine gewisse Unsicherheit vor der Kamera überspielen soll. Nach zehn Minuten weiß man oft auch gar nicht mehr, was man am Anfang erzählt hat und wiederholt sich.

Erklärer Nr. 2 hat ein Storyboard verfasst. Er hat sich vorher genau Gedanken darüber gemacht, was er überhaupt zu sagen hat. In seinen Überlegungen hat er notiert, was wirklich wichtig ist. Und wie man das ‚wirklich Wichtige‘ mit wenigen treffenden Worten dem unwissenden Zuschauer beibringen kann.

Vielleicht hast du auf YouTube schonmal nach der Erklärung zu einer schwierigen Matheaufgabe gesucht? Der eine Erklärer zeigt dir die notwendigsten Schritte, wie du zur Lösung kommst. Ein anderer erklärt dieselbe Aufgabe weniger gut. Vielleicht geht dieser jedoch davon aus, dass du ein umfangreiches Vorwissen hast und benutzt daher fachspezifische Worte? Daher ist es bei einem Erklärfilm wichtig, die Zielgruppe zu kennen. Wenn du einem Anfänger das Fotografieren beibringen möchtest, dann benötigst du einfachere Worte, als wenn du es mit einem Fortgeschrittenen zu tun hast.

Unterschiedliche Arten des Erklärens

  • Realfilm: Du stehst persönlich vor der Kamera. Diese Art des Erklärfilms ist ideal bei Handlungsabläufen. Der Zuschauer kann sofort nachmachen, was du ihm zeigst. Die Sprache hat eigentlich nur eine unterstützende Funktion, denn man sieht, was du tust. Möglich ist eine Mischung von Live-Text und Off-Text, welchen du später bei der Bearbeitung einfügst. YouTube-Beispiel
  • Lege-/ Schiebetechnik: Hände schieben Gegenstände oder Fotos ins Bild. Diese Art ist klasse für Leute, die gerne zeichnen und nicht gerne selbst vor der Kamera stehen. Der Text wird nachträglich aufgenommen. Mit dieser Art kann man Dinge erklären, die in einem Live-Video nur schwer umsetzbar wären (z.B. Erklärungen zu Paragraphen aus dem Deutschen Grundgesetz) YouTube-Beispiel
  • Whiteboard: Du stehst an einer Tafel und schreibst, wie ein Lehrer. Alternativ geht auch ein Blatt Papier. Das ist z.B. ideal bei Mathematik- oder Deutschübungen. YouTube-Beispiel
  • Screencast: Der Screencast ist eine Software, mit welcher du Abläufe auf dem Computerbildschirm abfilmst. Im Internet stehen unterschiedliche, zum Teil kostenlose, Programme zur Verfügung, wie der Screencast-O-Matic. Der Screencast eignet sich für Lernvideos, in welchen es um die Bedienung von Software geht. YouTube-Beispiel
  • Trickfilm: Ein Trickfilm-Lernvideo ist aufwändig zu produzieren, zumindest wenn du mit den Figuren umfangreiche Bewegungsabläufe darstellst. Du kannst die Figuren während dem Erklären auch einfach stehen lassen oder mit deiner Hand vorwärts bewegen. Das ist weniger aufwändig als ein Stop-Motion-Film. YouTube-Beispiel
  • Vlogging: Der Moderator/Die Moderatorin spricht direkt in die Kamera. Erklärt werden Kosmetik, Spiele, Technik usw. Der Erklärer muss gut sprechen können und sollte sympathisch auftreten. Die eigene Persönlichkeit darf nicht in den Vordergrund gestellt werden. Das Vlogging-Video kannst du in der Nachbearbeitung mit Schrift- oder Bildeinblendungen aufpeppen. YouTube-Beispiel

Die Filmlocation

Einen Außenfilmdreh machst du am besten dort, wo die wenigsten Störgeräusche sind. Direkt neben einer befahrenen Straße oder in einer Einflugschneise ist es ungünstig. Du müsstest ständig unterbrechen, sobald ein Fremdgeräusch dein Erklärvideo stört.

Sorge für eine ordentliche Atmospähre. Immer wieder entdecke ich Videos, in denen unschöne ‚Fremdkörper‘ im Film zu sehen sind: Die verschlabberte Kaffeetasse oder die Klamotten, die über im Hintergrund an einem Kleiderständer hängen. Am ‚besten‘ ist das ungemachte Bett, dass man auch immer mal wieder zu sehen bekommt. Mache vor der ersten Szene einen Check. Überprüfe, ob alles für fremde Menschenaugen geeignet ist

Das Storyboard zu einem Erklärfilm

Am besten ist es, du schreibst ein Storyboard. Das ist dann sozusagen deine eigene Anleitung. Mach dir Gedanken darüber, welche Kameraeinstellungen du zeigen wirst. Welche Aufnahmen drehst du in einer Halbtotalen, bei welchen Handgriffen ist eine Nahaufnahme sinnvoll? Willst du völlig frei Sprechen, dann mach eine Stichpunktliste. Diese befestigst du in der Nähe der Kamera, so das du während dem Erzählen immer mal wieder einen Blick darauf werfen kannst.

Bei Screencast-Videos wird der Ton meist direkt während der Vorführung aufgenommen. Das, was du tust, wird live kommentiert. Leider findest du auf YouTube unzählige Screencast-Videos, bei denen der Sprecher nicht richtig vorbereitet ist. Der eine sucht in seinen vielen Ordnern eine Datei, die er dringend benötigt. Der nächste macht während dem screencasten irgendeinen Fehler und erklärt erstmal, was er falsch gemacht hat. Dadurch wird der Film unnötig lang und verärgert den Zuschauer. Andererseits wird deutlich, dass auch die Profis Fehler machen können. Das könnte Symphatiepunkte einbringen. Trotzdem gilt: Mach unbedingt eine Stichpunktliste, die du während der Vorführung neben dir liegen hast. Und lege alle benötigten Dateien auf dem Desktop zurecht.

Eine andere Möglichkeit beim screencasten ist, dass du nur wenige Sätze live vor der Kamera vorträgst. Einen am Anfang, einen im Mittelteil, einem am Schluss. Der übrige Text entsteht bei der Nachbearbeitung im Off-Ton. Der Vorteil ist, dass du alles in Ruhe vom Blatt ablesen kannst. Du musst dann nur aufpassen, dass dein Off-Text dieselbe Lautstärke hat wie der Live-Text. Sonst muss der Zuhörer ständig am Lautstärkeregler spielen. So sind zum Beispiel meine ‚WindowsMovieMaker‚-Erklärvideos entstanden.

Die Bearbeitung

Die Mischung aus Live- und Off-Text macht den Erklärfilm interessanter. Bei der Bearbeitung sprichst du zu allererst den Off-Text ein, der ja in deinem Storyboard steht. Dann siehst du auch, wie lange der Film wird und ob du Textstellen streichen musst. Sprich langsam und deutlich, so dass der Zuschauer alle wichtigen Schritte versteht. Mach auch mal ein Sprechpause, zur Erholung. Den Text legst du im Bearbeitungsprogramm auf eine Tonspur. Anschließend legst du deine gefilmten Szenen auf die Videospur oberhalb vom Text. Achte darauf, dass das Bild tatsächlich zum Text passt.

Ein Tipp: Nehme den Off-Text an derselben Stelle auf wie deine zuvor live-gesprochenen Aufnahmen. Verwende dasselbe Mikrofon. Der Vorteil daran ist, dass bei gleichem Abstand zum Mikrofon die Lautstärke unverändert bleibt, außerdem ist die Atmosphäre (Umgebungsgeräusche) dieselbe. Wenn du am Mischpult Live-Text und Off-Text mischt, wird man nun keinen Unterschied mehr hören.

Technische Infos bekommst du in den Beiträgen ‚Tonaufnahmen‚ und ‚Mikrofone und Kopfhörer‚.

Anfang, Mittelteil und Schluss

Auch ein Erklärfilm sollte einen sinnvollen Aufbau haben. Hier ein paar Möglichkeiten:

Anfang

  • Titel mit dem Thema, z.B. ‚Stepptanzen für Anfänger‘, Länge maximal 7 Sekunden
  • Dazu passt eine Erkennungsmusik, sofern du mehrere Erklärvideos auf deinem Internetkanal zeigst
  • Begrüßung. Stell dich vor und was du erklären willst
  • Was ist das Ziel? Wie sieht das Endprodukt aus?
  • Falls der Zuschauer Werkzeug benötigt (z.B. bei Bastelanleitungen): alle benötigten Dinge zeigen oder kurz aufzählen (z.B. in Textform)
  • Braucht der Zuschauer sonst noch etwas, z.B. Geduld, Ausdauer, gute Ohren, Humor, Einfühlungsvermögen (z.B. bei einer Berufswahl)
  • Die Einleitung sollte maximal 10-15% der Gesamtfilmlänge ausmachen

Hauptteil

  • Schritt-für-Schritt-Erklärung
  • Wie kommt der Zuschauer von Punkt A (Anfang) zu Punkt Z (Ziel)?
  • Check: Sind meine Erklärungen für Anfänger verständlich?
  • Welche Fachbegriffe müssen verständlich beschrieben werden?
  • Welche Szenen lassen sich kürzen? Bei einer Bastelanleitung musst du nicht den kompletten Vorgang des Ausschneidens zeigen, es reicht der Anfang und der Schluss (oder zeig das Ganze im Zeitraffer). Beim Backen filmst du ja auch nicht, bis der Kuchen im Ofen fertig ist 🙂
  • unterschiedliche Kameraeinstellungen einsetzen
  • falls möglich, die Spannung während der Erklärung steigern

Schluss

  • Zusammenfassung: Was waren die wichtigsten Eckpunkte, um ans Ziel zu kommen? Diese Punkte kannst du auch in Form einer Schrifteinblendung zeigen, das prägt sich besser ein
  • Verabschiedung und Bedanken für’s Zusehen, viel Spaß beim Nachbauen wünschen
  • persönliche Meinung sagen (z.B. bei einer Dokumentation mit Diskussionsbedarf)
  • Eventuell Ausblick auf weitere Videos