Kopfkino & Szenenübergang

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Erfahrene Filmer arbeiten mit dem ‚Kopfkino‘. Das bedeutet, dass bereits während der Aufnahmen ein Film in ihrem Kopf abläuft. Es ist eine Fähigkeit, die sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Am Anfang filmt man einfach drauflos. Man macht sich gar nicht so viele Gedanken darüber, wie der geschnittene Film aussehen könnte und was für eine Musik dazu passt. Erst später am Schnittpult stellst du fest, dass ein zeitlicher Wechsel (also z.B. zwischen zwei Tagen) oder ein örtlicher Wechsel (zwischen zwei Drehorten) nicht wirklich gut aussieht. Aber das macht nichts: Aus diesen Fehlern lernst du, und beim nächsten Film klappt es schon ein Stückchen besser. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten, einen schönen Szenenübergang zu erschaffen.

Schnittbilder im Urlaubsfilm

Kopfkino im Urlaub ??? ‚Och nöö‘, denkst du jetzt. Eigentlich wolltest du dich doch erholen und nur ab und zu eine Szene zur Erinnerung drehen. Dabei kann Kopfkino im Urlaub richtig viel Spaß machen! Früher hat man als Übergang zwischen zwei Tagen gerne gerne einen Sonnenuntergang gefilmt. Ersatzweise half auch eine Auf- und eine Abblendung. Der Zuschauer wusste dann: ‚Aha, dieser Tag geht nun zu Ende.‘ Das kann man heute natürlich auch noch machen, es geht aber auch kreativer.

  • Filme so oft es geht Schnittbilder. Das könnten Aufnamen von Blumen oder Tieren sein. Auch Nahaufnahmen am Strand (z.B. Strand- und Eisverkäufer, Krebse, Surfer, Sandburgen) oder der wolkige Himmel lassen sich später an einer anderen Stelle einsetzen, zum Beispiel als Übergang bei einem Achsensprung. Was das ist, wird unter dem Beitrag Schwenkbewegungen erklärt.
  • Du warst am einen Tag am Strand, und am nächsten Tag steht eine Autosafari an? Dann filme als Übergang, wie ein Mitreisender auf dem Strandtuch sitzt. Anhand einer Landkarte erklärt er die geplante Route. Mit dem Finger zeigt er die Streckenführung, und in der folgenden Szene sitzt ihr bereits im Auto.
  • Der Wechsel zwischen zwei Städten lässt sich zum Beispiel mit Ortseingangsschildern darstellen. Mit etwas schauspielerischem Können kannst du dich auch vor die Kamera stellen und erklären, wo du zuletzt warst und wo du dich in der jetzigen Szene befindest: „Grad eben waren wir noch in …., und schon sind wir nach … weitergereist. Diese beiden Ortschaften unterscheiden sich vor allem in … bla bla bla.“
  • Eine weitere Möglichkeit für einen Ortswechsel: In der ersten Szene läuft dein ‚Roter Faden‚ nach rechts aus dem Bild, in der darauffolgenden neuen Umgebung kommt er von rechts wieder rein.

Während meiner langen Rucksack-Reisen hatte ich oft Musikstücke im Kopf, welche unbedingt an dieser oder jener Stelle im Film (z.B. in der Einleitung) ablaufen sollten. Zu dieser Musik fielen mir plötzlich die dazu passenden Bilder ein. So entstand bereits während meiner Reise der Film in meinem Kopf. Ich konnte direkt vor Ort die gewünschten Szenen drehen und musste mich zuhause am Schnittpult nicht darüber ärgern, dass irgendetwas Wichtiges gefehlt hat.

Szenenübergang beim Spielfilm

Beim Spielfilm ist das Kopfkino noch wichtiger als beim Urlaubfilm. Du filmst sozusagen für den Schnitt. Viele Szenen wirst du mehrmals drehen müssen. Nicht etwa, weil sie nichts geworden sind. Sondern weil du damit wunderbare Übergänge schaffen kannst.

  • Im Krimi nimmt eine Kinderbande die Verfolgung auf und rennt das Treppenhaus hinunter. Die erste Szene filmst du von oben. Du stoppst die Kamera, wenn die Kinder am Fuß der Treppe angekommen sind. Dann müssen alle wieder nach oben und ein zweites Mal dieselbe Treppe herunterrennen. Achte darauf, dass die Reihenfolge der Schauspieler dieselbe ist. Der Kameramann steht nun unten und filmt, wie ihm die Kinder entgegen gerannt kommen. Beim Filmschnitt schneidest du exakt an der Stelle, als die Kinder bei der Mitte der Treppe sind. Es darf kein ‚Hopser‘ entstehen.
  • Eine Person mit schwarzem Handschuh nähert sich einer Türe. Sie drückt die Klinke hinunter und schleicht sich ins Innere. Einmal filmst du die Person von hinten, wie sie sich der Türe nähert (Außenaufnahme). Eine zweite Szene zeigt dieselbe Person, wie sich die Türe öffnet und sie ins Haus kommt (Innenaufnahme). Als Szenenübergang drehst du nun noch eine Großaufnahme der Türklinke, wie sie von dem schwarzen Handschuh heruntergedrückt wird. Diese wird zwischen die beiden anderen Aufnahmen geschnitten. Und…sieht gut aus, oder?

Der Effekt-Szenenübergang

Nahezu jede Schnittsoftware bietet eine große Effektpalette an Szenenübergängen an. Selbst der kostenlose Windows ‚Movie Maker hat diesbezüglich einiges zu bieten. Aber sei sparsam mit solchen unnatürlichen Effektübergängen, denn man sieht sich sehr schnell daran satt. Explosionen, Mosaiksteinchen oder Windräder haben als Szenenübergang in einem Film eigentlich nichts verloren. Den Zuschauer interessiert es nicht, wieviele Effekte dein Schnittprogramm aufzuweisen hat. eine ‚Weiche Blende‘ dagegen kann bei Landschaftsaufnahmen sehr harmonisch wirken.