Zoombewegungen

Posted on

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie du ein weit entferntes Objekt näher zu dir ‚heranholen‘ kannst. Die erste Möglichkeit ist, dass du dich auf den Weg machst und näher an dein Motiv herangehst. Die zweite Möglichkeit ist, dass du die Zoomtaste an deiner Kamera betätigst. Und schon kommt das Motiv wie von Geisterhand zu dir herangefahren. Bei manchen Geräten wie zum Beispiel Handys ist diese Möglichkeit entweder gar nicht oder nur in geringem Umfang gegeben.

Der Vorteil eines Zoomobjektives liegt klar auf der Hand: Während man früher mit -zig schweren Objektiven auf Motivjagd gehen musste, hat man heutzutage sämtliche Bildausschnitte in nur einem Objektiv vereint und kann variieren ohne Ende. Bei einigen Videokameras ist ein 50-faches- Zoomobjektiv eingebaut. Das bedeutet, dass du dein Motiv 50x näher zu dir heranholen kannst. Dein Schauspieler ist nun nicht mehr 500 Meter von dir entfernt. Auf dem Kameramonitor scheint es, er wäre nur noch zehn Meter entfernt. Und das begeistert vor allem Filmneulinge natürlich.

Leider wird dir jeder Profi erzählen, dass du dieses Automatikzoom nicht während dem Filmen betätigen sollst. Was? Wieso denn das? Wieso bauen die Hersteller dann so etwas Tolles in die Kamera ein, wenn man es nicht benutzen soll? Im nächsten Abschnitt werde ich es dir erklären.

Filmen im Weitwinkel- und im Telebereich

Mach mal einen Test und filme dieselbe Person zuerst im Weitwinkelbereich und anschließend – in einer neuen Szene – im Telebereich. Diese Person sollte in beiden Fällen etwa gleich groß im Bild zu sehen sein. Dazu musst du dich bei der zweiten Szene vom Motiv entfernen, sonst bekommst du es nicht auf das Bild. Optimal ist es, wenn die Person 20 Meter vor einem auffälligen Hintergrund steht, z.B. einem Haus oder einem Baum. Und? Fällt dir der Unterschied zwischen beiden Aufnahmen auf? Beim Weitwinkel siehst du viel Umgebung auf dem Bild, während du im Telebereich nur einen verminderten Ausschnitt der Umgebung hast. Du hast das Gefühl, dass der Hintergrund viel näher an die Person herangerückt ist. Außerdem ist der Hintergrund unschärfer geworden.

Das alles hängt mit der Brennweite des Objektives zusammen. Sobald du ein Motiv über eine Zoomfahrt zu dir heranholst, kommt nicht nur dieses Motiv herangerauscht, auch der Hintergrund rückt näher an die Person heran. Die gesamte Perspektive ändert sich. Für das Auge des Zuschauers ist eine Zoombewegung daher unnatürlich. Wie bei der Schwenkbewegung gilt: Lieber mehrere Einzelszenen drehen, als eine durchgehende Zoombewegung.

Filme im Telebereich, aber ohne Zoomfahrt

Du darfst den Begriff ‚Zoom‘ nicht mit ‚Tele‘ verwechseln! Selbstverständlich darfst und sollst du auch im Telebereich filmen. Aber vermeide es, den Bildausschnitt mit einer Zoomfahrt während der laufenden Filmaufnahme zu verändern. Stelle stattdessen dein Objektiv vor der Aufnahme auf den gewünschten Telebereich. Nachdem die Kamera die Schärfe eingestellt hat, filmst du mit diesem von dir festgelegten Bildausschnitt.

Schließlich gibt es genügend Motive, an die man gar nicht näher rangehen kann. Zum Beispiel das Storchennest auf der Turmspitze, der Ozeandampfer am Sandstrand, der Windsurfer oder die Tiere im Zoo. Aber vergiß nicht, dass bei jeder Aufnahme im Telebereich die Kamera auf ein Stativ gehört. Bereits ab einer geringen Vergrößerung kannst du nicht mehr verwacklungsfrei filmen.

Und noch etwas: Du hast nicht nur ein Bild, sondern auch einen Ton. Je weiter du von einer Person entfernt bist, desto unverständlicher wird der Text. Das eingebaute Mikrofon ist nicht stark genug, um Worte über eine große Distanz verständlich aufzunehmen. Stattdessen wird es sich auf umliegende Störgeräusche wie Wind oder Autolärm konzentrieren.

Wann darf man das Automatikzoom verwenden?

Es gibt tatsächlich ein paar Aufnahmesituationen, in welchen eine Zoomfahrt gerechtfertigt ist.

  • Du willst einen Zusammenhang zwischen Vordergrund und Hintergrund schaffen. Ein Beispiel: Du filmst eine Wandergruppe in einer Berglandschaft. Wenige Kilometer entfernt befindet sich das Tagesziel, eine Berghütte. Nur die Wanderer können sie mit dem bloßen Auge schon sehen, für das Objektiv der Kamera ist sie zu weit entfernt. Durch eine Zoomfahrt zeigst du dem Zuschauer, wie weit die Wanderer vom Tagesziel entfernt sind. Noch besser wirkt diese Zoomfahrt rückwärts. Sprich, du filmst zuerst die Hütte und zoomst dann zurück ins Weitwinkel. Das hat den Vorteil, dass du mit deiner Kamera im Telebereich nicht die Hütte ’suchen‘ musst, was dir bei dem beengten Bildausschnitt leicht passieren kann.
  • Du willst auf etwas ganz Bestimmtes aufmerksam machen, was im Weitwinkelbereich nicht erkennbar ist. Ein Beispiel: Du filmst eine Menschenmenge. In dieser befindet sich eine Person. Mit einer Zoomaufnahme stellst du dar, dass diese Person Teil der Gesamtmenge ist. Angenommen, du filmst nur die Gesamtmenge und anschließend das Motiv in einer Großaufnahme, verliert der Zuschauer den Zusammenhang und den Überblick.